Was ist Atemtherapie?

Die Atemtherapie hat eine lange Tradition.

In China war die Kunst, Krankheiten mittels Atemtherapie zu behandeln, noch vor der Akupunktur bekannt und im Inneren der Pyramiden Ägyptens und im Alten Testament sind atemtherapeutische Ratschläge überliefert.

 

Indem die Atmung aus dem Korsett der Bewegungseinschränkungen befreit wird, können sich die das Handeln einengende Vorstellungsbilder auflösen und frühere Reaktionsmuster reaktiviert werden. Die Funktion der Atmung bei Gefühlen, beim Denken und bei sinnlicher Lust belegt die überragende Sonderstellung, die das Atemzentrum in dem Zusammenwirken des autonomen vegetativen Nervensystems mit dem bewussten „Willen“ der Gehirnrinde einnimmt. Da das autonome vegetative Nervensystem die Lust steuert und die Gehirnrinde die bewusste lusteinschränkende Kontrollleistungen vollbringt, ist anzunehmen, dass die Atmung auch eng mit der inneren Selbstdisziplin zusammenhängt.

 

Berühren und berührt werden gehören zu den elementarsten Kontakterfahrungen. Jeder Kontakt ist zugleich mit der körperlichen Erfahrung verbunden, wie die pulsierende und wärmende Berührung, die ekstatische Gefühle hervorruft. Das hängt damit zusammen, dass die Berührung ein Gefühl von Einheit (embryonal) schafft, in dem Verspannungen aufgelöst und der Atem wieder frei strömen kann. Die Verbindung zwischen Berührung und Atem ist tief und im gelösten Atem hat man das untrügliche Zeichen, ob die Berührung gelungen ist.

 

Gefühle als Atemmuster

Gefühle sind ein spontanes Geschehen, an denen die ganze Person mit ihren Erfahrungen und sprachlichen, psychischen, kinästhetischen und imaginativen Fähigkeiten beteiligt ist. Gefühle entstehen im simultanen Zusammenwirken all dieser Faktoren. „Ob uns in einer bedrohlichen Situation der Atem stockt“ oder uns „etwas die Kehle zuschnürt“, ob wir die „Zähne zusammen beißen“ oder etwas „Unangenehmes herunterschlucken“, ob einem etwas „an die Nieren“ geht, wir uns den „Kopf zerbrechen“ oder uns eine Sache sehr „zu Herzen“ nehmen oder jemanden oder etwas „zum Kotzen“ finden, immer ist etwas Psychisches gemeint, das sich sprachlich oder körper-organbezogen ausdrückt. Im Zustand der Angst „stockt“ der Atem, manchmal muss man nach Atem „ringen“, beim Erschrecken bleibt die „Luft“ weg.

Atemmessungen haben die in der Umgangssprache enthaltene Einsicht über den Zusammenhang von Gefühl und Atmung bestätigt.

 

Bei Wollust ist die Atmung beschleunigt, bei Freude ist die Atmung regelmäßig und vertieft. Hoffnung zeigt eine etwas unregelmäßige, rasche Atmung und Enttäuschung eine verlangsamte niedrige Atmung. Schrecken führt zu einer Hemmung der Atmung, bei Aufregung wird die Atmung rascher und niedriger. Bei Angst ziehen sich die Muskeln der Brust und des Zwerchfells zusammen und verkrampfen.

Durch den Mangel an Luft in der Lunge entsteht die Empfindung der Angst. Dagegen weist das Zwerchfell bei Freude und Erregung einen großen Hub auf. Es vibriert beim Lachen und entspannt sich rhythmisch beim Seufzen und Weinen. Mit jedem Atemzug werden die inneren Räume des Körpers im Rachen, Kehlkopf, Brust und Becken geöffnet, um den Atem aufzunehmen. Ohne Übertreibung kann deshalb das Atmen als ein den ganzen Körper einbeziehender Vorgang der rhythmischen An- und Entspannung aller Skelettmuskelgruppen beschrieben werden.

 

Atmen ist weitaus mehr als Luftholen. All unser Tun und Lassen sowie unsere Befindlichkeiten drücken sich im Atmen aus. Unsere Aktivitäten, Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle, Gemüts- und Ausdrucksbewegungen werden durch eigene Atemweisen begleitet. Je nachdem wie wir Kontakt aufnehmen oder ihn vermeiden, atmen wir. So wie wir stehen, sitzen, liegen und uns bewegen, werden wir durch den Atem bewegt. Die volle Atembewegung ist ein raumhaftes Weit- und Schmalwerden als kompliziertes Zusammenspiel gleichgerichteter, nachgeordneter und entgegengesetzter Kräfte, durch das sich das Zwerchfell einmal nach unten bewegt und damit die darunter liegenden Rumpfwände weitet. Dabei hat das Zwerchfell einen Antipoden im Beckenboden, dem sogenannten Beckenzwerchfell. Gleichzeitig bewegen sich die Rippen zur Seite, der untere Teil des Brustbeins stößt mit den Rippen nach vorne und der obere Teil schwingt ebenfalls mit den Rippen zusammen nach oben. Die Bewegung der Zwischenrippenmuskulatur – sie ist ebenfalls Atemmuskulatur – wird von der Bewegung unterhalb des Zwerchfells getragen. Die Atemmuskulatur ist eng mit der Wirbelsäule verbunden.

 

Jedem Atmungsfehler entspricht deshalb ein Haltungsfehler. Dabei ist die frei fließende Atembewegung als ständige Schwingung für die Ernährung der Bandscheiben entscheidend. Die gut funktionierende Atembewegung entwickelt aufgrund ihrer räumlichen Ausdehnung darüber hinaus eine Spannkraft, die aufrichtet und somit die Haltung rückwirkend stabilisiert.

 

Den muskulären Spannungsverhältnissen entsprechen unterschiedliche Empfindungen, weil erstere die Reizbarkeit der Nervenzellen bestimmen. Darüber hinaus tragen Empfindungen unsere Gefühle, mit denen wir die Welt emotional bewerten. Das durch Atemerfahrungen geschulte Empfindungsbewusstsein kann uns helfen, Unterscheidungen im Alltag wahrzunehmen und damit unser Ich im Verhältnis von Körperlichkeit und uns umgebender Welt zu bewahren.

 

Luft bekommt der Mensch in der Regel immer. Ob es aber ein schweres Hineinziehen oder ein leichtes Einfließen ist, ob wir uns beim Atmen eng machen oder uns die Atembewegung in den Raum hinausdehnt, ob wir nur mit dem Bauch oder der Brust atmen und der Rücken bewegt wird oder unbewegt bleibt, begründet vitale und seelisch-geistige Seinsweisen. Solche Zusammenhänge erschließen sich in der Atemarbeit sehr direkt, da die eigenen Lebens- und Erlebensbeschränkungen bewusst werden.

 

Das Üben am Atem löst seelische Konflikte. Wenn der Mensch seinen eigenen Atemrhythmus wiedergefunden und eingelebt hat, gesundet seine Seele. Jede wirkliche seelische Veränderung oder geistige Wandlung wird durch den Atem getragen. Bei psychosomatischen Störungen ist es sinnvoll, sich vornehmlich über den Atem seiner unbewussten Kräfte gewiss zu werden.

 

Atemarbeit ordnet, regeneriert und setzt Selbstheilungskräfte, den inneren Arzt des Menschen, frei. Der Stoffwechsel und die Durchblutung verbessern sich. Das Immunsystem wird gekräftigt und Stressverhalten abgebaut.

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